Eises Kälte und wilde Kreaturen

Rund um Wanaka, einer hippen Stadt am Rande eines riesigen Sees, wandern wir wieder viel und erklimmen Berge rund um den See, um die ihn umarmenden Berge und Gletscher aus verschiedenen Winkeln zu bewundern. Eine ganz besonders faszinierende Wanderung führt uns direkt unter einen gigantischen Gletscher zu dessen Fuße sich dutzende von überwältgenden Wasserfällen ergießen. Eine genussvolle Belohnung für jedes Bergsteigerauge und eine unterhaltende Beschäftigung, um auf die sehr weit gereisten Großeltern von Elsa zu warten.

17.000km haben sie nicht aufgehalten, ihre Enkeltochter und somit auch uns zu besuchen. Durch ständige Funklöcher war es abenteuerlich, sich zu verabreden, aber dann schließlich standen wir am verabredeten Campplatz und warteten auf die Ehrengäste. In den folgenden drei Tagen hatte Elsa stets Bewunderer und alle waren glücklich. Queenstown, den ursprünglichen Treffpunkt und Touristenmagnet, lassen wir schnell hinter uns. Hier kann man hunderte Dollar ausgeben beim sich in die Luft schießen, durch die Luft am Gummiseil oder Schirm nach unten Fallen lassen oder durch die Flüsse raften, surfen oder jetten. Der Phantasie und Adrenalinlust sind in dieser Stadt schier keine Grenzen gesetzt. Leider hat dies zur Folge, dass dieses beschauliche Plätzchen überrannt von allen ist, die Geld ausgeben und ihren Adrenalinspiegel pimpen wollen und von denjenigen, die davon träumen und einfach nur zuschauen. Stattdessen besichtigen wir zu fünft eine historische Goldgräberstadt und fahren danach zu weit abgelegenen Campplätzen über ruckelige Staubpisten, um die Urlauber das wahre Neuseeland schnuppern zu lassen.

Manchmal kommt es mir so vor, als wenn wir auf dieser Reise durch alle Länder dieser Welt reisen, so vielfältig ist die Landschaft. Auf dem Weg vom kalten, verschneiten Queenstown (ja richtig gelesen! Und ja, eigentlich soll hier gerade sowas wie Hochsommer sein!) in die Catlins sind wir an unwirklicher Wüstenkulisse vorbeigekommen, die stark an Westernfilme erinnert. Dort haben wir wieder solche Geistergoldgräberstädte besucht, die einst boomtenund teils mehrere tausend Einwohner hatten, heute aber oftmals nur noch von einer Hand voll Menschen bewohnt werden. Dann wechselte das trockene Klima von einem Meter auf den anderen zu fruchtbarem Obstanbauland, an deren Straßenrändern man nun endlich in Hülle und Fülle günstiges Obst erwerben konnte und so weit das Auge reichte, üppige Obstplantagen zu sehen waren. Wie durch eine magische Grenze fuhren wir dann in ein Ackerland,  auf dessen Hügeln sich nun Kühe tummelten und in den Catlins angekommen ist es weites gehend flach und tausende, ach was sag ich: Millionen von Schafen beflecken das grüne, raue Weideland direkt am Meer.

Regen, Sturm, Hagel und Sonne wechseln sich im Sekundentakt ab. Raue Naturgewalten, Erinnerungen an Irland und dem schönen Hiddensee kommen auf. Weite, Menschenlosigkeit, Schafe im Überfluss. Ja sogar einem Schafstau durften wir beiwohnen – als Ende des Staus von hunderten Schafen, die von A nach B pilgerten bzw. von Schäferhunden getrieben wurden.  Zum letzten malerischen Leuchtturm aus Holz zog es uns, obwohl dann am Ende die sich in den hohen Weidehügeln versteckenden massiven Fleischmassen von Seelöwen doch beeindruckender waren. Man stolpert förmlich über sie rüber, da man die Riesen im Gestrüpp erst sieht, wenn sie sich vor einem aufbäumen. Eins kann ich sagen – so ein Seelöwengebiss hat größere Hauer als man denkt. Das ist eine Anspielung auf eine weitere „Caro-Situation“: „Ich will nur nochmal schnell los“ sang ich fröhlich dahin und verschwand, als Mico hat schon das Mittagessen auf dem Herd hatte. Ich bin auf der Jagd nach dem perfekten Bild allá großer gähnender Seelöwe im Vordergrund und Küste mit Leuchtturm im Hintergrund. Als ich dann jedoch von Seelöwe hinter mir und Seelöwe vor mir am Strand umzingelt bin, fühle ich trotz Wind und Kälte meine Kleidung an mir kleben und weiß mal wieder kurz nicht was zu tun ist. Also pack ich mein altbewehrtes Muster aus und rede mir und den monströsen Tierchen gut zu und verharre der Dinge die da kommen. Dem einen Koloss wurde es nach einer Weile zu blöd und er öffnete mir den Weg. Zum Glück war das auch die Richtung in die ich eh musste. Mico kam mir dann besorgt entgegen, bemerkte dass ich statt angekündigten fünf Minuten nun schon über eine Stunde fern blieb, das Essen kalt ist und Elsa Hunger hat. Hach, was für ein tolles Abenteuer.

Vom immerwährenden Wind an der Küste sind die Baumkronen komplett zur Seite geneigt und tragen nur auf der windstilleren Seite Grün. Es würde mich nicht wundern, wenn Rosamunde Pilcher eines Tages ihren Haupthandlungsort von England hierher verlegt.

Ein spektakulärer Tag jagt den anderen. So gibt es am Morgen noch vor dem Frühstück am südlichsten Punkt der Südinsel, von wo es entweder  5140km zum Äquator oder  5403km zum Südpol geht, Orca-Wale zu sehen. Ein unglaublich seltener Anblick diese Geschöpfe. Vor uns an einer Klippe stehend schwimmen sie dahin: vier an der Zahl, eine kleine Familie mit zwei Jungen. Was will man mehr vom Tag? Zum Beispiel vor dem Mittagessen die noch selteneren Gelbaugen Pinguine sehen! Da diese sonst sehr scheu sind, sich gern von Menschen verschrecken lassen und es sowieso nur sehr wenige auf dieser Welt dieser Gattung gibt, ist es ein Wahnsinnsglück, diese gleich in vierfacher, süßer und neugieriger Ausstattung zu sehen. Bei so vielem Wildleben, ganz ohne Zoo, kommt einem der 170 Millionen Jahre versteinerte Wald schon fast nicht mehr erwähnenswert vor. Das sind die Catlins! Ich liebe die Catlins!

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